Giovanni Pierluigi da Palestrina

Palestrina

(ca. 1525 bis 1594 nach Christus)

Erneuerer der Kirchenmusik

Der italienische Komponist wurde vermutlich um 1525 in Palestrina geboren. Nachdem er Chorknabe in Rom gewesen war, kehrte er als Organist in seinen Heimatort zurück, von wo ihn Papst Julius III. 1551 nach Rom mitnahm. Dort war er kurze Zeit Sänger der Capella Sixtina und anschließend Kapellmeister an verschiedenen römischen Kirchen, zuletzt seit 1571 in St. Peter. Dort fand er nach seinem Tod am 2. Februar 1594 seine letzte Ruhestätte.

Palestrina gilt auch als „Retter“ des kirchlichen polyphonen A-capella-Gesangs, weil er so den Beschlüssen des Tridentinischen Konzils besonders gerecht zu werden schien, die forderten, dass jedes gesungene Wort voll verständlich sein müsse.

 Laufbahn

Der italienische Komponist Giovanni Pierluigi da Palestrina begann seine musikalische Laufbahn um 1537 als Chorknabe an St. Maria Maggiore in Rom. 1544 kehrte er in seine Vaterstadt Palestrina zurück und war bis 1551 als Kapellmeister und Organist an der dortigen Hauptkirche tätig. Daraufhin wurde er als Magister puerorum der Capella Guilia an die Peterskirche nach Rom mit dem Titel eines Kapellmeisters berufen. Dem Papst Julius III., der das Genie Palestrinas erkannte, widmete er das erste Buch vier- und fünfstimmiger Messen, welches sein erstes gedrucktes Werk war. Der Papst befahl, Palestrina in das Sängerkollegium der Sixtinischen Kapelle aufzunehmen, ohne Rücksicht darauf, dass diese nicht Priester und verheiratet war. 1555 trat er in die päpstliche Kapelle ein, was eine große Ehrung war, Jedoch entließ ihn Paul IV. ein halbes Jahr später.

Anschließend wirkte er immerfort als Kapellmeister. Seine Stellen waren bis 1561 an St. Giovanni in Laterno, von 1561 – 1566 an St. Maria Maggiore, der dritten Hauptkirche Roms, von 1567 – 1571 am Hofe des Kardinals Ippolito d`Este in Rom und schließlich konnte er ab 1571 in sein altes Amt an die Peterskirche zurückkehren, wo er bis zu seinem Tod wirkte.

Schaffen

Von Palestrina sind rund 950 Werke, darunter 202 Motetten, 94 Messen (davon besonders berühmt die sechsstimmige Miss Papae Marcelli (um 1562) und die Benedicta-Messe), 68 Offertorien, 36 Lamentationes, 33 Madrigale, 12 litaneien u. a. m. überliefert.

Das Werk Palestrinas im Zeitalter der Renaissance gilt als Höhepunkt der mehrstimmigen Vokalmusik. Sein Stil verbindet kontrapunktische Kunst mit melodischem und harmonischem Erfindungsreichtum. Sein Ideal ist der A-capella-Satz (stile antico, acclesiastico, grave).

Palestrina-Stil

Merkmale des sogenannten Palestrina-Stils sind die Selbstständigkeit der Stimmen im polyphhonen Gewebe, die in einem ausgewogenen Wechsel mit homophonen Partien stehen. Die Kompositionen stehen überwiegend im fünf- bis sechsstimmigen Satz, wodurch sich ein voller Klang ergibt. Im Tenor bzw. Cantus firmus findet sich oft ein gregorianischer Choral.

Der Palestrina-Stil wurde zum offiziell anerkannten Vorbild der Kirchenmusik. Aufgrund des Tridentiner Konzils (1545 – 1563), dessen Bestrebung es war, die Vieltextigkeit geistlicher Werke sowie die weltlichen Einflüsse zu beseitigen und den Grundtext als geistliches Gut klar hervortreten zu lassen, wurde sein Stil zum stile ecclesiastico schlechthin erklärt. Palestrina verstand es nämlich, durch Billigung des würdevollen, die Worte genau berücksichtigenden Stils der Kompositionen eine befriedigende Lösung zu schaffen. Sein Einfluss auf die Kompositionen des strengen Satzes, der später „prima practica“ genannt wurde, blieb jahrhundertelang bestimmend. Im 19. Jahrhundert fand eine Wiederbelebung Palestrinas statt und es folgten Aufführungen und Stilkopien.